Essstörungen bei Kindern: Symptome unserer Gesellschaft? Essstörungen gehören in der westlichen Gesellschaft zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen. Allen Erkrankungen liegt ein gestörtes Verhalten zum eigenen Körper, zur Ernährung als solches und zur individuellen Essensaufnahme zugrunde. Viele Erkrankte leiden unter Mischformen. Alle Essstörungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können sehr schnell zu extremen gesundheitlichen, seelischen und sozialen Folgen führen. Die Annahme, dass meist nur Mädchen und Frauen betroffen sind, ist falsch, ebenso wie die, dass Essstörungen eine „Teenager“-Erkrankung ist: Männer und Jungen erkranken ebenso wie Kinder und Erwachsene!

Nehmen Sie den Verdacht auf eine Essstörung nicht auf die leichte Schulter.

Oft sind besonders Jugendliche sehr gut darin, die Störung zu verstecken. Essstörungen sind weder ein Tick noch eine Phase!

Sie haben den Verdacht, dass Ihr Kind unter einer Essstörung leidet? Dafür gibt es normalerweise ganz konkrete Anhaltspunkte. Auch wenn nur wenige Symptome vorhanden sind – lassen Sie sich lieber beraten und suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Hausarzt.

Essstörungen bei Kindern: Symptome beim Essverhalten

  • Ihr Kind kontrolliert sehr streng, was es zu sich nimmt – zum Beispiel zählt es Kalorien, hält sich an Diätpläne und vermeidet konsequent „Dickmacher“?
  • Mahlzeiten, bzw. Essensportionen werden von Ihrem Kind nicht richtig eingeschätzt (es nimmt sich regelmäßig viel zu viel oder viel zu wenig?)
  • Falls Ihr Kind seiner Meinung nach zu viel gegessen hat, versucht er oder sie dann, die Kalorien möglichst schnell wieder zu verbrennen?
  • Neigt Ihr Kind dazu, sich regelmäßig zu überessen und verliert es quasi die Kontrolle über die Menge an Nahrung, die es aufnimmt? Oder isst Ihr Kind sehr unregelmäßig?
  • Isst Ihr Kind, wenn es gestresst oder traurig ist und / oder versucht es, möglichst alleine zu essen? Isst Ihr Kind kaum spontan etwas und wenn, dann wirkt es, als ob es ein schlechtes Gewissen hat?
  • Nimmt Ihr Kind Abführmittel oder abführende Lebensmittel zu sich?
  • Ihr Kind isst sehr langsam und verhält sich beim Essen ungewöhnlich (Essen wird „sortiert“, in winzige Stücke geschnitten, sehr lange gekaut etc.)?
  • Große Mengen an kalorien- und fettarmen Lebensmitteln werden von ihrem Kind bevorzugt oder ausschließlich gegessen?

Essstörungen bei Kindern: Symptome der Psyche und psychische Anzeichen

  • Ihr Sohn oder Ihre Tochter fürchtet sich davor, zu viel zu essen und dadurch zuzunehmen? Es fühlt sich schlecht, wenn es bestimmte, „verbotene“ Nahrungsmittel isst ?
  • Fühlt sich Ihr Kind zu dick, obwohl es das eigentlich gar nicht ist?
  • Eine bestimmte Gewichtsgrenze, die auf keinen Fall überschritten werden darf, existiert für Ihr Kind – und es wiegt sich regelmäßig?
  • Beschäftigt sich Ihr Kind häufig mit Kalorienzählen, Essenspläne machen oder anderen Tätigkeiten, die der Essenskontrolle oder der Vermeidung von Nahrungsaufnahme dienen?
  • Schämt sich Ihr Kind für seinen oder Ihren Körper und / oder steht es häufig oder nie vor dem Spiegel?
  • Zeigt Ihr Kind plötzlich vermehrt Gefühle wie Traurigkeit, Verstimmung, Wut und Frustration? Wirkt es plötzlich überfordert und einsam? Ist es weinerlich, unsicher und ungeduldig?
  • Ist das Thema Essen in der Familie konfliktbelastet?
  • Ihr Kind kritisiert regelmäßig den eigenen Körper oder Körperteile?
  • Findet Ihr Kind Ausreden, wenn es gemeinsam mit der Familie essen soll?
  • Finden Sie plötzlich Lebensmittel (oder leere Lebensmittelverpackungen) im Zimmer Ihres Kindes oder kauft es Süßigkeiten in größeren Mengen selbst?
  • Ihr Kind liest Kochbücher, beschäftigt sich mit Ernährung, kocht sogar selbst – aber isst nie mit?
  • Hat Ihr Kind plötzlich begonnen, exzessiv Sport zu treiben?
  • Die Toilettenbesuche ihres Kindes nehmen zu und / oder es putzt nach dem Toilettengang?
  • Ihrem Kind unternimmt nicht mehr soviel wie früher mit Freunden und zieht sich zurück?
  • Ihr Sohn oder Ihre Tochter kommentiert das Essverhalten anderer (Freunde, Familienmitglieder, Fremde) negativ (z. B. das ist eklig, ekelhaft, gefrässig etc.)
  • Vor dem Essen überlegt Ihr Kind lange, ob und was es essen soll?
  • Nach dem Essen wird Ihr Kind plötzlich sehr unruhig und seine / ihre Laune verschlechtert sich?
  • Diäten sind ein größeres Thema für Ihr Kind?

Essstörungen bei Kindern: Symptome des Körpers und gesundheitliche Anzeichen

  • Ihr Kind hat in den letzten drei Monaten viel (über 6 Kilo) ab- oder zugenommen.
  • Ist ihr Kind deutlich müder und abgeschlagener als sonst?
  • Gibt es Anzeichen von innerer Unruhe, Kreislauf- oder Atemstörungen?
  • Liegen Erkrankungen des Bewegungsapparates vor?
  • Bleibt bei Ihrer Tochter plötzlich die Monatsblutung aus?
  • Hat ihr Kind plötzlich Zahnschäden wie Verfärbungen oder Karies oder leidet es an Zahnfleischbluten?
  • Die Mundwinkel Ihres Kindes sind plötzlich wund, ihre / seine Haare und Nägel sind brüchig und stumpf und/oder fallen aus, die Haut ist trocken und gereizt?
  • Ihr Kind leidet unter Verstopfung.
  • Er / sie ist für sein / ihr Alter körperlich im Vergleich zu Gleichaltrigen noch nicht sehr weit entwickelt?
  • Der Body-Mass-Index Ihres Kindes liegt unter 17,5?
  • Es liegen Schwellungen oder Entzündungen der Speicheldrüsen vor (zeigt sich oft in „hamsterartiger“ Gesichtsform)?

Auch diese Anzeichen können eine Essstörung begleiten!

Essstörungen bei Kindern – Symptome:

Missbrauch von Alkohol, Drogen, Nikotin, Medikamenten. Selbstverletzungen, autoaggressives Verhalten. Unkontrolliertes Geldausgeben, Ladendiebstahl.

Ganz wichtig, wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind an einer Essstörung leiden könnte: HOLEN SIE SICH UMGEHEND HILFE und lassen Sie sich beraten!

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer
Die Telefonseelsorge
Hotline des SuchtHotline München e. V.
Selbsthilfeorganisation ANAD®
Mitgliederverzeichnis des Bundes Fachverband für Essstörungen, geordnet nach Postleitzahl

Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Eine Übersicht der verschiedenen Krankheiten

Bulimie

Die Bulimie (Bulimia nervosa) wird umgangssprachlich auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet – und das entspricht leider auch genau dem Krankheitsbild. Menschen, die an Bulimie leiden, haben erst Heißhunger-Attacken und essen dabei große Mengen an Nahrung meist recht schnell und hastig. Weil die Betroffenen nicht zunehmen möchten, führen sie Erbrechen herbei, oft auch in Kombination mit Fasten, Abführmitteln und / oder Einläufen. Die Gefahr einer Bulimie-Erkrankung liegt auch darin, dass sie im Gegensatz zur Magersucht nicht so leicht zu erkennen ist, da die Krankheit nicht mit einer starken Gewichtsabnahme einhergeht. Da die Anfälle fast immer im Geheimen stattfinden (sowohl das Essen als auch das Erbrechen) bekommen selbst die nächsten Familienangehörigen erst einmal nichts mit. Menschen, die sich aufgrund einer Bulimieerkrankung erbrechen (ca. 70 bis 90 % der Erkrankten), gehören dem sogenannten „Purging-Typ“ an. Das heißt, sie erbrechen die verzehrten Lebensmittel sofort nach dem Essen wieder. Das Erbrechen wird mittels Finger oder auch eines Hilfsmittels ausgelöst.

Anorexia nervosa (Magersucht)

Anorexia nervosa ist durch das krankhafte Bedürfnis gekennzeichnet, das Körpergewicht möglichst schnell zu verringern. Da die Erkrankten gleichzeitig auch an einer Störung der Selbstwahrnehmung leiden, wird bis zu einer oft lebensbedrohlichen Unterernährung gehungert. Obwohl sie deutlich abgemagert sind, haben die Betroffenen immer noch das Gefühl, zu dick zu sein. Sie ignorieren den Hunger und nehmen wenig bis keine Nahrung auf. Diese aufgenommene Nahrung ist dann außerdem häufig kalorien- und oder nährstoffarm. Deshalb ist auch die Sterblichkeitsrate bei Magersucht sehr hoch. Durch den Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen leiden Erkrankte auch unter vielen weiteren schwerwiegenden Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Fruchtbarkeitsstörungen, Osteoporose, Nieren- und Zahnschäden, Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Störungen sowie Depression und weitere psychische Erkrankungen, wie zwanghafte Selbstverletzungen. Bei ca. 5 bis 18 % kommt es durch die massive Mangelernährung zum Tod!

„Orthorexia nervosa“

Die sogenannte „Orthorexia nervosa“ ist keine offizielle Erkrankung – das heißt, sie ist nicht im internationalen Klassifikationssystem der Krankheitsbilder gelistet. Der Begriff „Orthorexie“ wurde erstmalig 1997 von einem amerikanischen Arzt namens Bratman verwendet. Er bezog sich dabei auf ein krankhaftes Muster beim Essverhalten. Orthorexie bezeichnet eine extreme Fixierung auf bestimmte, „gesunde“ Nahrungsmittel. „Ungesundes“ Essen wird unter allen Umständen vermieden. Orthorexie wird als eine ausgeprägte Fixierung auf die Auswahl von „gesundem“ und der Vermeidung von „ungesundem“ Essen verstanden. Wichtig dabei ist jedoch die Ausprägung dieser Fixierung.

Hilfe ist nötig, wenn die Fixierung zu Leidensdruck, starken Veränderungen oder einem übertriebenen Zeitaufwand führt und sie quasi zur Zwangshandlung wird. Wenn Kinder und Jugendliche im Alltag stark von der gewählten Ernährungsform beeinträchtigt sind (sowohl psychisch als auch physisch) sollten sich Eltern Hilfe holen. Obwohl auch dieses Essverhalten mit einem großen Gewichtsverlust einhergehen kann, gibt es einen wichtigen Unterschied zur Magersucht: Es besteht nicht der Wunsch, schlank zu sein und es existiert keine Verzerrung des eigenen Körperbildes.

Binge-Eating-Disorder

Bei der Binge-Eating-Disorder (engl. Binge = Gelage, Rausch, Orgie) kommt es zu wiederholten „Fressattacken“: Innerhalb einer kurzen Zeit werden vergleichsweise sehr große Mengen an Nahrung gegessen. Der Betroffene verliert dabei im Grunde die komplette Kontrolle über sein Essverhalten. So hat die Krankheit, im Gegensatz zur Bulimie, eine Gewichtszunahme zur Folge. Doch wie Menschen, die an Bulimie erkrankt sind, verschweigen auch „Binge-Eaters“ die Krankheit und ihre Symptome. Psychologen und Ärzte nehmen an, dass alle unangenehmen Empfindungen während des Essens unterdrückt werden und das Binge Eating eine Art Vermeidungsverhalten ist. Viele (etwa 50 %) der Erkrankten leiden unter Depressionen. Ausgelöst werden die Attacken meist durch negative Emotionen wie Ärger, Stress, Wut, Angst oder Langweile.

Essstörungen bei Kindern?
Symptome sollten ernst genommen werden!

Auch übermäßiger Leistungsdruck führt manchmal zu Essstörungen bei Kindern. Hier lesen Sie, wie übermäßiger Druck in der Schule reduziert werden kann!

Bild: gldburger / Signature Kollektion / istockphoto.com

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